(auch älter --)
SVETINKA oder die Heilige von den Plattenbauten
Ein postkommunistisches Gedicht muss tief
im Elend ansetzen. "The city went through difficult
years. Serious problems accumulated in various spheres
of life for its citizens" liest man in einem Reiseführer
über Brno. Achtzehn Jahre nach der Wende erwarten wir noch
billige Leiber und verbissene
Opferbereitschaft. In der Fleischabteilung
eines amerikanischen Supermarkts bewegen sich hilflose Alte
oder jung Vernichtete in Zeitlupe bis gar nicht. Die Verwesung
in der Luft kommt nicht von ihnen. Weiter draußen in der
Svatopluka, eine Straße heißt so, scheint es
Schnee zu schneien, aber Styropor
wird auf der Zunge nicht zu Wasser. Svetinka,
unsere Heilige, beugt sich im dritten Stock von achtzehn aus dem Fenster
und schreckt zurück. Maminka, Honza! Wir werden belagert!
Schreckgestalten sägen mit langen Messern unsre Wände,
unsere Wärmedichtung an! Sie haben Zäune
und rostiges Metallgeschirr und dreckige Gesichter,
Pechnasen! Dort unten grinsen sie schon in die Fenster
von ihren Leitern! Wenn sie höher steigen,
können sie in mein Zimmer sehn! -- -- --
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